Krankheitsursachen

Schnitt Wirbelsäule

Das Kreuz mit dem Kreuz: Wenn der Rücken streikt

Volksleiden Rückenschmerzen: Hierzulande klagen mehr als 60 Prozent der Bevölkerung über Rückenschmerzen. Oft steckt ein Bandscheibenvorfall hinter den Beschwerden, der mit so genannten radikulären Schmerzen sowie Beinlähmung und/oder Taubheitsgefühl verbunden ist.

Die mit einem Bandscheibenvorfall verbundenen Schmerzen belasten enorm und schränken die Lebensqualität massiv ein.

Bewegliche Körperachse: Die Wirbelsäule

Sitzen, liegen, hüpfen, laufen, sich bücken oder den Kopf drehen – ohne die Wirbelsäule wäre all dies nicht möglich. Die zentrale Achse unseres Körpers ermöglicht Bewegungen und Aktivitäten in verschiedensten Richtungen und gewährleistet gleichzeitig Stabilität.

Ein von der Natur perfekt ausgeklügelter Bauplan aus Knochen, Bändern, Sehnen, Scheiben, Muskeln und Nerven sorgt dafür, dass das Multifunktionstalent „Wirbelsäule“ all diese Aufgaben optimal wahrnehmen kann.

S-Kurven für Flexibilität und Stabilität

Von der Seite betrachtet ähnelt die Wirbelsäule mit ihren Krümmungen einem Doppel-S. Diese Kurven – je nach Lage als Lordose oder Kyphose bezeichnet – sorgen dafür, dass der Körper Stöße und Sprünge abfedern kann und optimal abgestützt wird. Von hinten sieht eine gesunde Wirbelsäule aus wie ein gerader Stab.

Die Wirbelsäule mit insgesamt 24 Wirbeln gliedert sich in drei Bereiche: die Halswirbelsäule (HWS: 7 Halswirbel), die Brustwirbelsäule (BWS: 12 Brustwirbel) und die Lendenwirbelsäule (LWS: 5 Lendenwirbel). An die Lendenwirbelsäule schließen sich das Kreuz- und Steißbein aus insgesamt zehn Wirbeln an, die im Alter zwischen 20 und 25 Jahren zu einem Knochenblock verschmelzen.

Stoßdämpfertechnik im Rücken

Ein Wirbel besteht aus einem vorderen massiven Wirbelkörper und dem dahinter liegenden schmaleren Wirbelbogen mit den Wirbelgelenken und Wirbelfortsätzen. Der Wirbelkörper fungiert dabei als Lastenträger, in dem geschützten Kanal aus Wirbelbögen (Wirbelkanal und harter Rückenmarkshaut) verläuft das Rückenmark und die intraduralen Nervenfasern. An den beiden Querfortsätzen und dem Dornfortsatz setzen die Muskeln an.

Die Bandscheiben trennen die einzelnen Wirbel als Puffer. Mit ihrem von einem knorpeligen Faserring umhüllten gallertartigen, weichen und wasserreichen Kern federn sie Erschütterungen ab und ermöglichen den Wirbeln eine bessere Beweglichkeit.

Zwischen Wirbel und Bandscheibe befindet sich das Zwischenwirbelloch, aus dem die Rückenmarksnerven nach links und rechts austreten und damit ihren geschützten Bereich verlassen.

Wirbelsäule unter Druck – der Bandscheibenvorfall

 Beim Bandscheibenvorfall (Discusprolaps) rutschen Teile der Bandscheibe in den Wirbelkanal hinein und verursachen mehr oder weniger heftige Beschwerden. Der Grund: Der weiche gallertartige Bandscheibenkern durchbricht die umliegende Faserhülle und drückt auf das Nervengewebe drumherum. Parallel verspannt sich die Rückenmuskulatur, was zusätzliche Beschwerden hervorruft.

Starke Muskeln schützen

Ursachen dafür gibt es viele: eine schwache Bauch- und Rückenmuskulatur, vorwiegend sitzende Tätigkeiten, Übergewicht und ungünstige Körperhaltungen im Alltag (beispielsweise falsches Heben oder ständiges und langanhaltendes Autofahren, speziell für die Halswirbelsäule). Auch erblich bedingte Fehlstellungen der Wirbelsäule und Schwangerschaften begünstigen das Krankheitsbild. Hinzu kommt das Alter. Mit den Jahren verlieren die Bandscheiben mehr und mehr an Flüssigkeit. Diese poröse Struktur führt manchmal dazu, dass der Bandscheibenkern ausläuft und einen Vorfall verursacht.

Bandscheibenvorfall

Ein Blick in den Körper gibt Aufschluss

Die Diagnostik erfolgt heutzutage in der Regel per Kernspintomographie (MRT – Magnetresonanz-Tomographie). Dieses schonende, nicht radioaktive bildgebende Verfahren macht Vorwölbungen oder Vorfälle der Bandscheibe sehr gut sichtbar. Gute Ergebnisse liefert auch eine Computertomographie (CT) vor allem bei Fragen zu knöchernen Einengungen der Wirbelsäule.

Bandscheibenvorfall

Nervige Belastung

Ein Bandscheibenvorfall verursacht nicht automatisch Schmerzen. Etliche Patienten erfahren nur per Zufall davon, ohne jemals Beschwerden zu haben. Probleme gibt es vor allem dann, wenn die sich vorwölbende Bandscheibe auf die umliegenden Nerven drückt. Dies führt zu oft massiven Rückenschmerzen, die bis in die Beine ausstrahlen und schlimmstenfalls Taubheitsgefühle und Lähmungen oder sogar organische Funktionsstörungen (z.B. Blasen- und Darmprobleme) hervorrufen können.